Wenn der Staat zum „Hacker“ wird: Das IT-Sicherheitsgesetz 2.0 macht sich keine Freunde

IT-Sicherheit ist ein schwieriger und oftmals demotivierender Bereich für jene, die sie garantieren sollen. Warum? Weil es sich primär immer nur um Verteidigung und Prävention handeln kann. Bis jetzt! Nun möchte man nicht mehr defensiv agieren und den schlimmsten bereits entstandenen Schaden beheben. Nein! Action bitte. Ein neues Gesetz liegt in der Luft. Da es wohl für die meisten auf Dauer keinen Sinn macht mit Mücken auf Elefant zu schießen, gibt es einen neuen Gesetzentwurf aus deutschem Hause.

Das IT-Sicherheitsgesetz ist erst 2015 in Kraft getreten. Und 4 Jahre später ist es offensichtlich nicht mehr neu genug. Das IT-Sicherheitsgesetz 2.0 soll noch schärfere Maßnahmen beinhalten. Aber jetzt mit Schmackes!

Noch mehr Sicherheit und noch mehr Befugnisse

Der Mega-Datendiebstahl, der zahlreiche Prominente ins Schwitzen gebracht hat, hat klar gezeigt, dass es noch sicherer und noch schärfer werden  muss. Dabei sollen die verantwortlichen Behörden wohl nicht nur abwehren dürfen, sondern auch zurückzahlen können. Hierbei soll es sich um klassische Hackbacks handeln. Und genau davor hat man in Expertenkreisen immer wieder gewarnt. Der Entwurf zum geplanten IT-Sicherheitsgesetz 2.0 wurde bereits eingebracht. Alle Hersteller von IT-Produkten sollen bei Sicherheitsvorfällen künftig einer Meldepflicht gegenüber dem BSI (Bundesministerium für Sicherheit in der Informationstechnik) unterliegen.

Kritische Infrastrukturen werden erweitert

Insbesondere KRITIS-Unternehmen müssen Sicherheit gewährleisten. Der Entwurf erweitert die Sektoren. Zu den bereits bestehenden KRITIS-Sektoren kommen also noch weitere dazu. Unter Kritische Infrastrukturen (KRITIS) versteht man Organisationen und Einrichtungen, die eine enorme Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen haben. Wenn sie ausfallen oder es zu Beeinträchtigungen kommt, kann dies schwerwiegende Konsequenzen haben. Auf Versorgungsengpässe und Störungen der öffentlichen Sicherheit ist man zu wenig vorbereitet. Auch Bußgelder sollen drastisch erhöht werden. Unternehmen sollten sich also generell darüber informieren, ob und inwieweit sie von den Forderungen des IT-Sicherheitsgesetzes betroffen sind.

Das BSI auf der Suche nach Schwachstellen

In Zukunft soll das BSI eine Menge Befugnisse haben. So soll es beispielsweise im Internet gezielt nach Schwachstellen suchen können. Wenn man dann fündig wird, sollen die Betroffenen informiert werden. Und dazu braucht das BSI dann wieder Daten von den Telekommunikationsanbietern. Aus Sicherheitsgründen können auch schädliche Geräte modifiziert und gepatched werden. Genau darin sehen Kritiker das Problem. Unter dem Deckmantel der verstärkten Sicherheit, wird hier zum Teil agiert als gäbe es keine Grundrechte. Was der Hacker nicht darf, darf dann der Staat?

Fazit

Die Kritik an den neuen Tendenzen im Bereich Cybersicherheit ist sehr wohl nachzuvollziehen, aber aus der Sicht so manch einer Behörde ein notwendiges Übel um einen Weg aus der jahrelangen Lethargie zu finden. Halbherzige Diplomatie und die Strategie „Ich stell mich tot, dann tut mir keiner etwas, hilft uns auf Dauer wohl auch nicht dabei, klar Stellung zu beziehen und endlich Kampfgeist zu zeigen. Die Wichtigkeit von IT-Sicherheit wird immer noch zu wenig erkannt. Den Ball nur noch flach zu halten, hat noch keine Dauerlösungen hervorgebracht. Was das IT-Sicherheits-Gesetz 2.0 bringen wird, muss sich erst zeigen. Schütze deine Daten!

Quelle: Netzpolitik.org; Foto: pixabay.com


Erstellt am:13. April 2019

Schreibe einen Kommentar

Weitere Artikel

/ / Allgemein
Google Internet Ballons

Google Internet Ballons: Versorgen Ballons die Amazonasregion zukünftig mit Internet im Jahre 2020?

Ballons fliegen über den peruanischen Wald Google Internet Ballons versorgen zukünftig die Amazonasregion mit Internet. Es scheint, dass jeder heute das Internet nutzen kann. In Wirklichkeit haben es jedoch nicht alle Menschen. Nur 57 Prozent der Haushalte verfügen über einen Internetzugang. Alphabet’s Mission Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, setzt ihre Mission fort, das Internet über ihren Loon-Internetdienst mit Ballonen in Gebieten mit unzureichendem Service bereitzustellen. Anfang dieses Jahres erreichte das Unternehmen mehr als 1 Million Flugstunden in der Stratosphäre. Alphabet ...
Weiterlesen …
Spionage Apps auf Smartphone

2 Spionage Apps auf vergünstigten US-Smartphones entdeckt

Eigentlich eine nette Sache: US-Bürger, die nicht so viel Geld haben, können Handys zu einem billigeren Preis kaufen. Jetzt kam allerdings heraus, dass auf einem dieser Android-Phones Spionage Malware vorab installiert ist! Die Experten von Malwarebytes haben besagte Handys nach Meldungen von besorgten Usern untersucht. Fündig geworden sind sie auf dem UMX-Einstiegshandy U683CL mit Android-Betriebssystem. Dieses Handy können US-Bürger im Rahmen eines staatlichen Förderungsprogrammes namens „Assurance Wireless“ günstiger erwerben. Ziel des Programmes ist, dass alle Menschen gleichermaßen soziale Netzwerke und ...
Weiterlesen …
/ / Allgemein
WhatsApp Virus?

WhatsApp Virus 2020: Warnung vor gefährlichem Tobias Mathis echt?

Bei Anruf WhatsApp Virus: Unter diesem Motto soll momentan eine WhatsApp-Nachricht ihr Unwesen treiben. In ihr wird davor gewarnt, einen Kontakt namens „Tobias Mathis“ anzurufen, denn dies könnte sogar die gesamte Festplatt des Handys zerstören. Was hat es mit dieser Warnung wirklich auf sich? Die Privatsphäre und Sicherheit unserer Leser liegt uns am Herzen Entsprechend versorgen wir euch auch mit News zu aktuellen Virenwarnungen oder auch Infos zu Leaks. Besagte „Tobias Mathis“ WhatsApp Virus Nachricht ist allerdings mit Vorsicht zu ...
Weiterlesen …
Online-Games und Internet-Chaträume sollen 2020 stärker beobachtet werden

Online-Games und Internet-Chaträume sollen 2020 stärker beobachtet werden

Was ist der Grund für die verstärkte Beobachtung? Am 9. Oktober 2019 wurden zwei Menschen in einem Kebap-Imbiss von einem Attentäter erschossen. Der Schuldige begründete diese Tat mit rechtsextremen und antisemitischen Gründen und teilte seine Tat sogar auf Twitch. Er sprach von Achievements/Erfolgen, wie man sie von Ego-Shooter und anderen Videospielen kennt. Rechtsextreme Personen nutzen diese Chaträume vermehrt, um ihre Propaganda zu verbreiten. Aus diesem Grund soll man Chaträume und Online-Games zukünftig verstärkt überwachen. Das fordert Innenminister Horst Seehofer. Was ...
Weiterlesen …
Wird geladen...