Überwachung total in China: Wer Schulden hat, wird via App „live“ angeprangert

Wir sind ja von China einiges gewohnt. Zensur, Spionage, Lynchjustiz. Aber jetzt hat das Land des Lächelns wieder etwas ganz Neues in Sachen Überwachung gestartet: Mittels Erweiterung einer sehr beliebten chinesischen Chat-App werden Menschen mit Schulden im Umkreis von 500 Metern angezeigt.

Was das Ganze soll? So einfach wie erschreckend: „Wohlmeinende“ Chinesen sollen schnell mal checken, ob die laut App verschuldete Person Geld ausgibt. Weil wenn dies der Fall ist, sei sie ja ein Schmarotzer. Und das müsse gemeldet werden. So „China Daily“ – pikanterweise natürlich eine Regierungszeitung.

Verräter werden zu angeblichen „Whistleblowern“

Jene Bürger, die „Schmarotzer“ melden, werden laut Zeitung zu Whistleblowern. Nur, dass das so gar nicht mit dem Prinzip eines Whistleblowers zu tun hat. Der bringt schließlich geheime Missetaten an die Öffentlichkeit, die tatsächlich welche sind.

Das Programm selbst heißt „a map of deadbeat debtors” und ist Bestandteil eines neuen verpflichtenden Regierungssystems. Dieses besteht aus mehreren Kriterien, die bewertet werden. Ergebnis ist die individuelle Reputation jedes einzelnen Bürgers.

„Schmarotzer“ im Umkreis von 500 Metern

Die zugehörige App ist als Wechat bekannt, ein Pendant zu WhatsApp und sehr beliebt. Was natürlich wieder praktisch ist, um möglichst viele Menschen zu denunzieren. Wechat bietet die Schuldner-Erweiterung an. Sie durchforstet die Umgebung und zeigt Menschen mit Schulden im Umkreis von 500 Metern an. Damit hören die Überwachung und Verletzung der Privatsphäre aber nicht auf. Die App zeigt tatsächlich auch den vollen Namen des „Schuldners“ an! Immerhin noch kein Foto …

Totale Überwachung dank digitalem Personalausweis

Die App wurde als Teil des chinesischen Sozialkreditsystems vorgestellt, welches ab 2020 für alle Bürger verpflichtend sein wird. Damit will die Regierung die Reputation Einzelner mittels eines Scoring-Systems ermitteln. Da die App als Personalausweis verwendet wird, ist eine solche Schulden-Überwachung tatsächlich möglich. Überhaupt soll es laut Regierung bald überhaupt nur mehr digitale Personalausweise geben. Damit ist die totale Überwachung gewährleistet.

Stelle dir vor, eine App sagt deinen Mitmenschen derartige Dinge über dich. Dass du Schulden hast, wie du heißt und was sich China sonst noch alles einfallen lassen wird. Da bekommt man wirklich Gänsehaut …

Quelle: derstandard.at; Foto: pixabay.com


Erstellt am: 27. Januar 2019

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