Japan darf die Geräte seiner Bürger hacken und das ganz legal

Seit Februar 2019 haben es in Japan Hacker auf Millionen Haushalte abgesehen, um die dortigen mit dem Internet verbundenen Geräte wie Webcams, Router usw. zu hacken. Das Kuriose: Die dürfen das! Warum, wirst du dich jetzt sicher fragen. Und diese Frage ist durchaus berechtigt.

Die Hacker agieren ganz offiziell im Namen der Inneren Sicherheit. Das Ganze soll zum Schutz der Bürger geschehen. Denn die Geräte, auch Internet- und Telefonprovider sind betroffen, sollen auf ihre Sicherheit gegen sämtliche Cyberattacken überprüft werden. Oder anders ausgedrückt: Sind die in Frage kommenden Geräte zu hacken oder nicht?

Warum macht die japanische Regierung so etwas? Auch dazu wurde sich bereits geäußert. Die Japaner haben große Sicherheitsbedenken im Hinblick auf die Olympischen Sommerspiele 2020. Die Regierung verweist hier auf andere in der Vergangenheit bereits stattgefundene Angriffe bei Großveranstaltungen, wie beispielsweise bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2018. Ganz unbegründet sind die Bedenken der Regierung also nicht. Doch ist das wirklich nötig? Japan hält Gegenmaßnahmen ganz eindeutig für sehr wichtig, wie es aus Regierungskreisen heißt.

Wie sich der Ablauf dieser „Angriffe“ gestalten soll

Laut des NICT (National Institute of Information and Communications Technology) sind die sogenannten IoT-Geräte ein sehr begehrtes Ziel von Hackerangriffen. Dies deshalb, da die Kunden das Gerät nach dem Kauf exakt einmal einrichten. Entweder mit einem vorgegebenen Passwort oder aber einem sehr einfachen leicht zu merkenden Passwort wie 0000. Das Passwort wird danach nie wieder geändert und somit stellt das Gerät ein Sicherheitsrisiko dar. Das NICT nennt hier eine Zahl von 54 %. So viele Angriffe soll es auf eben genau diese Geräte schon gegeben haben.

Regierung als Hacker

Das Prozedere ist einfach. Ausgewählte Regierungsbeamte versuchen das Gerät zu hacken. Schaffen sie das, geht eine Nachricht seines Internetanbieters an den Kunden mit der Information, dass sein Gerät soeben von der Regierung gehackt worden ist. Das Ministerium für Inneres und Kommunikation hat für diese Fälle eine Hotline eingerichtet, wo betroffene Kunden sich Hilfe und Tipps holen können, wie sie ihre gehackten Geräte sicherer machen können.

Um diese „Angriffe“ auch legal durchführen zu können, hat Japan noch 2018 eine entsprechende Gesetzesänderung auf den Weg gebracht.

Laut dem NICT werden die Mitarbeiter keine private Kommunikation auswerten. Es gehe hier lediglich um einen Test, ob auf ein Gerät von außen zugegriffen werden kann oder eben nicht.

Was jedoch sehr wohl gespeichert wird sind: Die Geräteerkennung, Zeitstempel, Dienste, IP-Adresse und Portnummer.

Was ist mit dem Datenschutz?

Eine sehr gute Frage. Gerade bei dem Zugriff auf Webcams bekommen die Beamten und Mitarbeiter sehr private Einblicke, ohne dass die Kunden davon etwas wissen oder mitbekommen. NICT sagt hierzu, dass mit den höchsten Sicherheitsstandards gearbeitet würde, ähnlich denen, welche auch bei der Regierung eingesetzt werden. Dennoch ist nicht einmal klar, welche Mitglieder der Regierung überhaupt Zugriff auf die Daten haben. Auch eine Angabe in welchem Umfang und wie lange die Daten gespeichert werden fehlt komplett. Es scheint ganz so, als wäre dieses Unterfangen eine Vertrauenssache zwischen der Regierung und seinen Bürgern.

Quelle: computerbild.de; Foto: pixabay.com


Erstellt am:15. Februar 2019

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