Mangelnde Transparenz & Info: Google handelt sich in Frankreich 50 Millionen Euro DSGVO-Strafe ein

Nach einer anfänglichen Schonfrist greifen die europäischen Datenschutzbehörden nun durch. Neben kleinen Unternehmen kommen auch die Giganten mit DSGVO-Zuwiderhandlungen nicht mehr so einfach davon. Frankreich hat nun eine Millionenstrafe über Google verhängt – aufgrund „mangelnder Transparenz“ und „unzureichender Information“ der Nutzer.

Als erste europäische Datenschutzbehörde überhaupt hat die französische CNIL (Commission Nationale de l’Informatique et des Libertés) eine DSGVO-Strafe über ein global tätiges Unternehmen verhängt. Die Datenschutzgrundverordnung der EU trat im Mai letzten Jahres in Kraft und hat das Ziel, unsere Privatsphäre besser zu schützen bzw. uns auch eine stärkere Kontrolle über unsere Daten zurückzugeben. Unternehmen, die dagegen handeln, können mit einer Strafe bis zu einer Höhe von 4 % des weltweiten Umsatzes geahndet werden.

CNIL hat zwei Beschwerden geprüft

Was hat Google in Bezug auf unsere Daten „verbrochen“? Laut La Quadrature du Net und die NPO NOYB des Wiener Datenschützers Max Schrems jede Menge. Zumindest was das Anlegen eines Google-Accounts auf einem Android-Handy angeht. Beide hatten bereits im Mai 2018 Beschwerden gegen den Konzern eingereicht. Die CNIL hat diese im September letzten Jahres geprüft und in zwei Aspekten bestätigt, wie sie am Montag bekanntgab. 

Zu wenig Transparenz & Information

Zum einen wurde Google zum Verhängnis, die Transparenz- und Informationspflichten nicht ausreichend wahrgenommen zu haben. Laut CNIL seien „wesentliche Informationen“ zu Datenschutz-Themen querbeet auf verschiedene Dokumente verteilt worden: „Die relevanten Informationen sind erst nach mehreren Schritten zugänglich.“

Weder klar, noch verständlich

Die Informationen sind also schwierig zugänglich. Wer will sich schon ewig durchklicken? Darüber hinaus sind die Infos aber auch nicht „klar und verständlich“. Wenn niemand versteht, was mit seinen Daten passiert, ist das Ganze ja schon wieder für die Katz. Auch CNIL meint, Nutzer seien so „nicht in der Lage, das Ausmaß von Googles Verarbeitungsvorgängen vollständig zu verstehen.“

Kein Einverständnis für personalisierte Werbung

Außerdem fehle Google die grundsätzliche Berechtigung, den Nutzern personalisierte Werbung zeigen zu dürfen. Auch hier fehle die adäquate Information. Bei der Anmeldung wird der Nutzer zwar informiert, aber nicht „spezifisch” und auch nicht „eindeutig”. Und genau das sieht die DSGVO aber vor.

50 Mio. Euro. Viel Geld. Aber für Google doch wenig.

Also doch ganz triftige Gründe für eine Strafe im Namen der DSGVO. Zumal es sich ja nicht um ein einmaliges Ereignis wie ein Datenleck handelt, sondern um zeitlich ausgedehnte Zuwiderhandlungen. Tag für Tag legen User einen Google-Account am Handy an, so die CNIL. Allerdings sind die 50 Millionen Euro für Google jetzt nicht gerade weltbewegend. Damit du verstehst, was wir meinen: Im dritten Quartal des letzten Jahres scheffelte der Konzern gesamt 33 Milliarden Dollar …

Google will „Entscheidung prüfen“

Was Google zu den Vorwürfen zu sagen hat? Dem Spiegel gegenüber nahm der Konzern folgendermaßen Stellung: „Nutzer erwarten von uns ein hohes Maß an Transparenz und Kontrolle. Wir sind fest entschlossen, diese Erwartungen und die Zustimmungserfordernisse der DSGVO zu erfüllen. Wir prüfen die Entscheidung, um unsere nächsten Schritte festzulegen.”

NOYB sehr zufrieden mit diesem Signal an Konzerne

Einer freut sich dafür umso mehr über das Urteil: „Nach der Einführung der DSGVO haben wir feststellen müssen, dass große Konzerne wie Google die DSGVO einfach ‘anders interpretieren’ und ihre Produkte oft nur oberflächlich angepasst haben“, so Max Schrems in einer Aussendung. Er sieht die Strafe als sehr gutes Signal der Behörden, dass auch große Unternehmen nicht so einfach davonkommen.

Quelle: heise.de, spiegel.de; Foto: pixabay.com


Erstellt am:24. Januar 2019

Schreibe einen Kommentar

Weitere Artikel

/ / Überwachung
Alexa im Home Office?

Alexa im Home Office? Schlechte Idee!

Wenn du momentan (wie sehr viele Menschen) von zu Hause arbeitest, können nicht nur Kinder & Co zum Störfaktor werden. Viel schlimmer: Da du oft auch vertrauliche Firmenagenden via Telefonkonferenz etc. besprichst, könnten dir Spione in den eigenen vier Wänden zum Verhängnis werden. Denn: Alexa und andere smarte Speaker hören mit! Wie Spionage-sicher ist dein Zuhause? Dieser Tipp kommt von einer Berufsgruppe, die sich mit Firmeninternat und geheimen Dokumenten auskennt: Anwälten. Normalerweise verschanzen sie sich in ihren Büros und reden ...
Weiterlesen …
/ / Überwachung
Airbnb Überwachung für weniger Lärm

Airbnb Überwachung zur Lärmvermeidung

Wilde Partys, wütende Nachbarn. Das steht bei Airbnb und ähnlichen Vermietern immer wieder mal am Programm – und verleiht den Unternehmen ein schlechtes Image. Dagegen möchte Airbnb nun mit einer Art Airbnb Überwachung vorgehen: Ein eigenes Gerät misst das Lärmaufkommen und warnt ab einem gewissen Wert den Unterkunftsbesitzer per App oder SMS. Airbnb Überwachung Beeinträchtigung des Datenschutzes? Das Gerät wird von Airbnb verkauft. Es soll lediglich warnen, nicht aber aufzeichnen. Trotzdem sehen Datenschützer das Angebot sehr kritisch. Auch wenn ein ...
Weiterlesen …
/ / Allgemein, Überwachung
Apples Siri aktiviert sich automatisch

Siri & Co nehmen dich bis zu 19 Mal am Tag auf!

Es ist immer wieder die Rede davon, dass sich Siri, Alexa und andere Echos einfach von selbst aktivieren. Eine Universitätsstudie zeigt nun, dass das tatsächlich so ist – und hat auch gleich erhoben, wie oft Alexa mal eben so zuhört. Du schaust gerade fern und lachst über den idiotischen Bachelor, als plötzlich eine Stimme ertönt: „Heute erwarten wir Temperaturen von 20 Grad.“ Hoppla? Was war das denn? Apples Siri natürlich. Oder Amazons Alexa. Oder wen auch immer du zuhause als ...
Weiterlesen …
/ / Überwachung
Amazon Alexa

Amazon Alexa ausgetrickst: Armband soll vor Spionage schützen

Es ist immer wieder Thema, dass Amazon Alexa & Co uns belauschen. Das geht aber nur, wenn ihr Mikrofon funktioniert. Genau hier setzen nun Wissenschafter an. Sie haben ein Armband entwickelt, dass die Mikros von smarten Aufnahmegeräten „taub“ machen. Amazon Alexa als Spion im Büro? Entstanden ist die Idee aus einem sehr nachvollziehbarer Situation, die sicherlich auch einige von euch sehr gut nachvollziehen können. Denn Wissenschafter Ben Zhao wollte sich unbedingt einen Amazon Echo anschaffen. Einfach nur zum Musik hören ...
Weiterlesen …
Wird geladen...