Internationale Kampagne: Facebook arbeitet aktiv gegen stärkeren gesetzlichen Datenschutz

Datenschutz und Facebook? Kein gutes Team, wie wir aus Erfahrung wissen. Und auch kein großes Geheimnis. Immerhin sind Daten das (höchst profitable) Geschäft des sozialen Netzwerks. Aber dass der Konzern anscheinend aktiv gegen umfassendere Datenschutzregulierungen vorgeht ist dann doch ein starkes Stück. Jetzt wurde nämlich aufgedeckt, dass Facebook doch tatsächlich international eine Lobbying-Kampagne gegen mehr Datenschutz am Laufen hat.

Wie so oft bei Facebook handelt es sich bei dieser Info um ein Top Secret-Interna. Es mussten also Enthüllungsjournalisten her, um der Öffentlichkeit diese Wahrheit berichten zu können. Konkret haben sich Computer Weekly und der Guardian anscheinend Einsicht in interne Dokumente erschleichen können. Diesen sei zu entnehmen, dass Facebook nicht nur einfach gegen mehr verpflichtenden Datenschutz ist. Nein, der Konzern geht im Rahmen einer Kampagne weltweit (von den USA bis hin zur EU) gegen schärfere Gesetze vor.

DSGVO: David siegt gegen Goliath

Dass auch die EU – und zwar alle ihre Mitglieder – vom Anti-Datenschutz-Campaigning des sozialen Netzwerks betroffen ist, lässt aufhorchen. Denn wie hat die EU es dennoch geschafft, 2018 die Datenschutzgrundverordnung durchzubringen? Diese sichert Bürgern schließlich weitaus mehr Datenschutz zu, als davor. Du wirst nicht überrascht sein, dass Facebook natürlich versucht hat, die DSGVO zu verhindern. Nämlich in Form einer „Facebook-Freundin“, der irischen Ex-Premierministerin Enda Kenny. Sie wollte 2013 sogar im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft von Irland im Sinne von Facebook agieren. Das geht bei diesem neutralen Amt natürlich gar nicht! Zumal der Konzern seinen europäischen Sitz in Irland hat. Ein interessanter Aspekt am Rande …

Erpressung made by Sheryl Sandberg

In der EU hat sich Facebook also anscheinend einer Politikerin bedient. Aber auch Investitionen sind ein beliebtes Erpressungsthema des Konzerns. Ganz nach dem Motto: Wir bauen bei euch einen neuen Firmensitz o.ä. und dafür schafft ihr uns neue Datenschutz-Gesetze vom Hals. So geschehen z. B. in Malaysien oder Kanada. Sheryl Sandberg höchstselbst soll sich eingeschaltet haben, als die Politik nicht so spurte, wie sich der Facebook COO das vorstellte. Man könne sich auch ganz einfach einen anderen Standort aussuchen …

Beeinflussung unter dem Deckmantel des Feminismus

Überhaupt soll Sheryl Sandberg im Zentrum des Lobbyismus stehen. Die Zweit-Chefin von Facebook soll auch ihre Aktivitäten in Bezug auf Karriere-Frauen für ihre Zwecke genutzt haben. Beispielsweise Viviane Reding, ihres Zeichens Ex-Justizministerin. Ist ja ganz praktisch, wenn man unter dem Deckmäntelchen des Feminismus auch die ganz eigenen Facebook-Datenkraken-Ziele verfolgt … Ein internes Schreiben von Facebook verrät aber, dass es mit Reding nicht wie vorgesehen geklappt hat. Die EU hat sich mit ihrer DSGVO eben doch durchgesetzt. David hat einmal gegen Goliath gesiegt.

Wieder mal einige interessante Facebook-Aktivitäten, die es mit Datenschutz und Privatsphäre nicht gut meinen. Was aber sagt der Konzern dazu? Wie immer: wenig. Die internen Dokumente seien erstens unter Verschluss, da sie einem Gerichtsverfahren mit dem Bikini-App-Entwickler Six4Three entstammen. Außerdem würden völlig falsche Zusammenhänge aufgestellt. In Wirklichkeit ist alles ganz anders. Eh klar …

Quelle: derstandard.at; Foto: pixabay.com


Erstellt am: 7. März 2019

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