Elektronische Beweismittel: EU will schneller auf US-Daten zugreifen können

Egal, wo ein Verbrechen tatsächlich passiert. Wenn es um elektronische Beweismittel geht, finden diese sich meist an ganz anderen Orten. Laut EU-Kommission vielfach auch in den USA. Um Verbrechen effizienter aufklären zu können, möchte die EU deswegen nun Zugriff auf amerikanische Server.

Die Welt dreht sich immer schneller. Und mit ihr das Internet und seine Technologien. Auch in der Verbrechensbekämpfung bzw. -aufklärung spielt der wachsende Fortschritte eine große Rolle, so Vera Jourova, EU-Justizkommissarin: „Kriminelle nutzen schnelle und moderne Technologien, um ihre Verbrechen zu organisieren und Beweise zu vertuschen.“

Großteil relevanter Daten in den USA gespeichert

Um Kriminellen trotzdem auf die Spur zu kommen, ist eine internationale Zusammenarbeit notwendig. Denn: „Ein Großteil der Daten, die zum Aufspüren dieser Kriminellen notwendig sind, werden in den USA oder von US-Firmen gespeichert.” Um Zugriff auf dieses Beweismaterial zu erhalten, hat die EU nun Verhandlungen gestartet bzw. zwei Mandate aufgesetzt.

„Cloud-Act“ für Europa

In den USA gibt es bereits eine ähnliche Gesetzgebung, den Cloud-Act. Wenn eine US-Firma Daten verdächtiger Personen beispielsweise auf Servern in Deutschland speichert, müssen diese trotzdem herausgegeben werden. Dabei ist es ganz egal, dass die Server nicht in den USA stehen. Die Strafverfolgung hat Vorrang. So ähnlich stellt sich die EU dies auch vor. Nur eben vize-versa.

Lange Wartezeit auf Datenzugang in den USA

Nun ist es zwar nicht so, dass es bisher gar keine entsprechende Zusammenarbeit gäbe. Aber eine etwas zähe, da freiwillig. Die Mühlen in den USA mahlen beim Thema Datenherausgabe extra-langsam. 10 Monate dauert es im Schnitt, bis der Zugang zu Daten in den USA möglich ist. Das entspricht so gar nicht den Vorstellungen der EU-Kommission. Aus den 10 Monaten möchte sie 10 Tage machen. Maximal. Verständlich – welcher Kriminelle wartet 10 Monate darauf, dass Polizei & Co ihre Arbeit machen können …

Datenschutz und Privatsphäre auch Thema

Weiters umfassen die Verhandlungsvorschläge der Kommission spezielle Garantien für den Datenschutz, den Schutz der Privatsphäre und die Verfahrensrechte von Personen. Denn in Europa stehen diese Themen zumindest seit Inkrafttreten der DSGVO hoch im Kurs.

Zusammenarbeit mit EU-Providern

Zusätzlich zur einfacheren Zusammenarbeit mit den USA hat die EU-Kommission noch ein zweites Ziel: die Zusammenarbeit in der EU selbst. Hier wurde ein zweites Mandat erstellt, das ein zweites Zusatzprotokoll zur Budapest-Konvention des Europarats plant. Hierbei geht es um die Provider im EU-Raum, die direkt mit den Behörden zusammenarbeiten sollen. Wiederum geht es um die schnellere und einfachere Verbrechensaufklärung.

Dass elektronische Beweismittel derart in den Fokus der EU rücken, ist kein Wunder: 85 % aller strafrechtlichen Ermittlungen sind auf derartige Daten angewiesen. Aber auch bei der Verbrechensaufklärung gilt es, den Datenschutz und die Privatsphäre des Einzelnen hochzuhalten!

Quelle: EU; Foto: pixabay.com

Zusammenfassung
Elektronische Beweismittel: EU will schneller auf US-Daten zugreifen können
Artikel Name
Elektronische Beweismittel: EU will schneller auf US-Daten zugreifen können
Beschreibung
Egal, wo ein Verbrechen tatsächlich passiert. Wenn es um elektronische Beweismittel geht, finden diese sich meist an ganz anderen Orten. Laut EU-Kommission vielfach auch in den USA. Um Verbrechen effizienter aufklären zu können, möchte die EU deswegen nun Zugriff auf amerikanische Server.
Author
Veröffentlicher
vpn-blog.de
Logo

Schreibe einen Kommentar

Weitere Artikel

/ Datenschutz, Überwachung
Angst, dass dein Smartphone & Co an der US-Grenze durchsucht wird? Dann beachte unsere 5 Tipps!

Angst, dass dein Smartphone & Co an der US-Grenze durchsucht wird? Dann beachte unsere 5 Tipps!

Grenzbehörden greifen immer drastischer in unsere Privatsphäre ein: Letztes Jahr führten US-Beamte über 33.000 Durchsuchungen von Geräten durch – ohne entsprechenden Durchsuchungsbefehl. Drei Jahre zuvor waren es nur 8.000. Untersuchungen zeigen, dass Beamte nahezu unbegrenzte Autorität haben, die Geräte von Reisenden an Grenzen zu durchsuchen. Die dabei gewonnenen Informationen können bis zu unglaublichen 75 Jahren gespeichert werden! Weitaus dramatischer ist aber die Tatsache, dass die Behörden deine Geräte auch nach Informationen über all jene Personen durchforsten kann, mit denen du ...
Weiterlesen …
/ Politik, Überwachung
Du willst ein Visum für die USA? Dann musst du deine Social Media-Accounts offen legen!

Du willst ein Visum für die USA? Dann musst du deine Social Media-Accounts offen legen!

Die USA halten generell nicht viel von Privatsphäre. Schon gar nicht, wenn es um ausländische Besucher geht. So müssen alle jene, die ein Visum für die USA brauchen, ab sofort auch Auskunft zu ihren E-Mail- und Social-Media-Konten geben – verpflichtend! Sonst heißt es Draußenbleiben. Esta-Einreisen betrifft das aber nicht. Wieder einmal wird die „nationale Sicherheit“ vom US-Außenministerium für die Maßnahmen vorgeschoben, die bereits seit 2018 im Gespräch war. Diese heiligt alle Mittel – Überwachung etc. Wenn du ein US-Visum benötigst ...
Weiterlesen …
/ Datenschutz
Klage wegen Cambridge Analytica Datenskandal: Facebook sieht keine Verletzung der Privatsphäre seiner User

Klage wegen Cambridge Analytica Datenskandal: Facebook sieht keine Verletzung der Privatsphäre seiner User

Erinnerst du dich noch an den großen Facebook Datenskandal rund um Cambridge Analytica? Dieser hat letztes Jahr für ordentlich Wirbel gesorgt. Einige User wollten sich die Datenweitergabe von Facebook nicht gefallen lassen und haben eine Sammelklage angestrengt. Klar, dass Facebook alles ganz anders sieht. Der Konzern meint doch tatsächlich, dass die Privatsphäre der Nutzer durch den Datenskandal nicht verletzt wurde … Als 2018 der Skandal rund um Cambridge Analytica und die damit verbundene unrechtmäßige Weitergabe von Nutzerdaten bekannt wurde, haben ...
Weiterlesen …
/ Anwendungen, Leaks
Google speicherte Passwörter unverschlüsselt. Kannst du dem Konzern deine Daten noch anvertrauen?

Google speicherte Passwörter unverschlüsselt. Kannst du dem Konzern deine Daten noch anvertrauen?

Facebook, Twitter & Co liefern in Sachen Datenschutz und Überwachung Schlagzeilen am laufenden Band. Google schafft es da im Vergleich weit weniger oft auf die Titelseiten. Ist der Konzern tatsächlich so viel mehr um unsere Privatsphäre besorgt? Vielleicht (aber schwer zu glauben, Geld & Daten regieren bekanntlich die Welt). Jetzt ist das Unternehmen aber jedenfalls über einen Fehler gestolpert: Google hatte über ein Jahrzehnt lang User-Passwörter in Klartext gespeichert … Am 22. Mai setzte Google seine G Suite-User davon in ...
Weiterlesen …
Wird geladen...