Google speicherte Passwörter unverschlüsselt. Kannst du dem Konzern deine Daten noch anvertrauen?

Facebook, Twitter & Co liefern in Sachen Datenschutz und Überwachung Schlagzeilen am laufenden Band. Google schafft es da im Vergleich weit weniger oft auf die Titelseiten. Ist der Konzern tatsächlich so viel mehr um unsere Privatsphäre besorgt? Vielleicht (aber schwer zu glauben, Geld & Daten regieren bekanntlich die Welt). Jetzt ist das Unternehmen aber jedenfalls über einen Fehler gestolpert: Google hatte über ein Jahrzehnt lang User-Passwörter in Klartext gespeichert …

Am 22. Mai setzte Google seine G Suite-User davon in Kenntnis, dass bereits im Jahr 2005 (!) ein Fehler bei der Passwort-Speicherung passiert sei. Normalerweise werden Passwörter verschlüsselt, das heißt, sie werden durchgerüttelt und dann als zufällige Zeichen auf Googles Servern gespeichert. Das Unternehmen kann daraufhin dein aktuelles Passwort nicht lesen und es auch nicht entschlüsseln, selbst, wenn du es vergisst. Wie auch immer – wenn du dein korrektes Passwort eingibst, passt es zur verschlüsselten Version und erlaubt dir den Zugang zu deinem Account.

Auch Google-Mitarbeiter konnten Passwörter sehen

Den G Suite Account-Administratoren war es erlaubt, die Passwörter ihrer User zu ändern und wiederherzustellen. Und zwar deswegen, um Administratoren bei den Neueinstellungsprozessen von Mitarbeitern zu unterstützen. Allerdings speicherte das System diese Passwörter in Klartext. Es war also nicht nur Administratoren möglich, die Passwörter zu sehen, sondern auch Google-Mitarbeitern.

Google entdeckte diesen Bug letztes Monat, ganze 14 Jahre später, und hat ihn mittlerweile gepatcht. Der Konzern gab an, dass diese Vorgehensweise nicht seinen Standards entspreche und es keinen Hinweis auf einen unerlaubten Zugriff oder missbräuchliche Verwendung der Passwörter gebe.

Trotzdem bleibt das Ganze ein Problem. Denn Googles Geschäftsmodell basiert auf dem Tausch seiner kostenlosen Services gegen deine Daten. Schau dir doch einfach mal deine Einstellungen an, um zu sehen, welche Masse an Daten der Konzern von dir sammelt! Google behauptet, ein Verfechter unserer Privatsphäre zu sein und geht sogar soweit, seine Mitbewerber in diesem Zusammenhang zu kritisieren.

Schöne Worte – Google wurde aber bereits mehrfach dabei erwischt, deine Privatsphäre zu beeinträchtigen: durch das geheime Scannen deiner E-Mails, die Erlaubnis an Dritte, deine E-Mails zu lesen, deine Standorte zu tracken, selbst wenn du dies untersagst, die Verwendung von Gesichtserkennung und das Scannen deiner Fotos … Google macht es dir auch nicht gerade leicht, die von dir gesammelten Daten zu löschen.

Kannst du Google vertrauen?

Angesichts der vielen Daten, die Google von uns besitzt, sollte der Konzern Sicherheit mehr als großschreiben. Die Geschichte mit den Passwörtern im Klartext zeigt aber, dass dem nicht so ist. Zumal es sich in diesem Fall nicht um ein kostenloses Service handelt, sondern um die zahlpflichtige G Suite. Was kannst also du als normalsterblicher User, der nichts für Google-Dienste zahlt, von dem Konzern erwarten? Kannst du ihm tatsächlich vertrauen?

Was solltest du jetzt tun?

Laut Google wurden die betroffenen G Suite Kunden bereits darüber informiert, welche Passwörter nicht entsprechend gesichert wurden. Wenn du andere Google-Dienste nutzt und dir Sorgen um deine Privatsphäre machst, empfehlen wir dir Folgendes:

  • Verwende starke Passwörter und bewahre sie sicher in einem Passwort-Manager auf
  • Begrenze die Menge an Daten die du bei Tech-Giganten anhäufst und ihnen gibst. Je weniger sie von dir haben, desto weniger kann leaken.
  • Setze nicht alles auf ein Pferd. Verwende stattdessen auch Google-Alternativen, die Wert auf Privatsphäre legen. Sie sammeln nicht deine ganzen Daten von verschiedenen Plattformen, um dein Userprofil zu kreieren.
  • Bleibe in Sachen Cybersicherheit immer am aktuellsten Stand, um auf Leaks & Co schnell reagieren zu können.

Quelle: NordVPN.com; Foto: pixabay.com


Erstellt am: 3. Juni 2019

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