Mood Tracker als Spione: Sie speichern deine Stimme, Haut, Hirnwellen u. m.

In den heutigen Zeiten stehen Gesundheit und Fitness an erster Stelle. Das hat auch die Elektronikindustrie erkannt und Mood Tracker ins Leben gerufen: Vom Pionier Fitbit bis zur Apple Watch stehen Gesundheits- & Aktivitäts-Tracker hoch im Kurs und zeigen uns schnell & unkompliziert, wie unser Körper sich verhält – unsere Schlafqualität, unser Aktivitätsniveau, unsere Herzfrequenz und mehr.

In jüngster Zeit hat sich der Bereich der Gesundheitstechnologie sogar immer weiterentwickelt und ermöglicht es nun, nicht nur deine körperliche Gesundheit, sondern auch dein geistiges Wohlbefinden zu überwachen. Anbieter von technischen Gadgets bieten nun Echtzeit-Einblicke in deinen mentalen Zustand und leiten bei Anzeichen von emotionalem Stress Interventionen ein. Spannend – aber wollen wir wirklich, dass ein solcher Mood Tracker alles über uns und unsere Zustand weiß (und gar an Dritte weitergibt)?

Welche Mood Tracker Technologien gibt es?

Technik, die dich fragt, wie du dich fühlst

Das Moodbeam-Armband ist ein Stimmungsmesser mit zwei Knöpfen, mit denen du einen von zwei Gefühlszuständen angeben kannst: glücklich oder traurig. Richtig, es ist nicht wirklich für dich gedacht, sondern für andere, die sehen wollen, ob es dir gut geht. Und so ist deine Stimmung, die zusammen mit Schlaf und Aktivität protokolliert und analysiert wird, über eine App einsehbar.

Technik, die Stimm- und Sprachveränderungen beobachtet

Das Halo Band von Amazon verwendet eingebaute Mikrofone, um dir während des Tages beim Sprechen zuzuhören. Sein Algorithmus bewertet diese Stimmproben nach Positivität und gibt dir Rückmeldung über deiner mentalen Zustand, basierend auf den Veränderungen in deiner Stimmlage im Laufe des Tages. Eine App, die von Sonde Health, einem Unternehmen für Gesundheitstechnologie, entwickelt wurde, nutzt ebenfalls die Stimme als Biomarker, um psychische Zustände wie Stress und Depression anzuzeigen.

Technik, die die Herzfrequenz misst

Inner Balance von HeartMath, ein Bluetooth-Sensor für iPhone und Android, misst Herzrhythmusmuster, um daraus den emotionalen Zustand abzuleiten. Er soll dabei helfen, emotionales Gleichgewicht und Widerstandsfähigkeit wiederzuerlangen.

Technik, die Atemmuster erkennt

Spire Stone, ein kleiner Clip-on, verfolgt Atemmuster anhand der Ausdehnung und Kontraktion deines Oberkörpers. Die App sendet dir Benachrichtigungen, wenn abnormale Atemmuster erkannt werden und schlägt entsprechende Übungen und Meditationen vor. Prana, ebenfalls ein Clip-on, der die Atemmuster überwacht, wertet gleichzeitig deine Körperhaltung aus und schlägt Verbesserungen vor, die deiner geistigen Gesundheit zugutekommen sollen.

Technik, die Hautporen misst

Pip, ein tragbarer Biosensor, verfolgt Veränderungen der Hautporen, die mit dem Stresslevel korrespondieren, und gibt dir Hinweise, wie du ruhiger und effektiver werden kannst.

Technik, die Gehirnströme misst

Healium, eine Plattform, die mit einer Apple Watch oder einem EEG-Stirnband funktioniert, visualisiert deine Gefühle mithilfe von Augmented und Virtual Reality. Sie nimmt deine Gehirnwellen und Elektrizität auf und projiziert deinen Emotionen auf einen Bildschirm, damit du Stress und Ängste bewältigen kannst.

Das sind die Risiken der Mood Tracker

Unglaublich, was diese Tracker mittlerweile schon alles können und messen. Die Erfassung dieser vielen sehr persönlichen Daten geht aber natürlich mit vielen Risiken für deine Privatsphäre einher:

Deine Daten könnten gespeichert & weitergegeben werden

Die oft vorkommende Mehrdeutigkeit in Datenschutzrichtlinien begünstigt immer die Unternehmen, die sie verfassen, nicht die Verbraucher. In extremen (aber nicht seltenen!) Fällen können Unternehmen deine Daten speichern und ohne dein Wissen oder deine Zustimmung an Dritte weitergeben. Gerade bei Gesundheitsdaten ist dies mehr als bedenklich!

Google & Amazon mischen bereits kräftig mit!

Google, das Fitbit gekauft hat, kann aus den (vermeintlich anonymisierten) Daten Millionen Nutzern Kapital schlagen, indem es sie an Pharmaunternehmen zu Forschungs- und Entwicklungszwecken weitergibt. Amazon wurde ebenfalls für die Speicherung von Sprachaufzeichnungen der Nutzer kritisiert: Während die Datenschutzbestimmungen des Halo-Bandes besagen, dass Amazon deine Daten nicht weitergibt, kann es jede Info über dich – Stimmmuster, Schlaf, Aktivität und mehr – auswerten, um mehr über den menschlichen Körper zu erfahren und in Zukunft von der Gesundheitsversorgung zu profitieren.

Tipps zum Datenschutz bei der Verwendung von Gesundheits-Trackern

Lies dir die Datenschutzrichtlinien genau durch

Bevor du dich für einen Gesundheits-Tracking-Dienst oder Mood Tracker anmeldest, solltest du unbedingt Datenschutzrichtlinien lesen und dir so ein Bild davon machen, wie deine Daten verwendet werden. Wenn du die Details in der Datenschutzrichtlinie unklar bzw. intransparent findest, kannst du davon ausgehen, dass dies beabsichtigt ist und deine Daten an Dritte weitergegeben werden. In diesem Fall solltest du dich besser nach einem anderen Anbieter bzw. Gerät umsehen.

Deaktiviere die Standortverfolgung

Die Kombination deiner Daten mit deinen Standort macht dich leichter identifizierbar. Schalte GPS und Standortverfolgung in den Einstellungen deines Geräts und auch der App aus.

Stelle dein Profil auf „privat“

Privat! Für die Nutzung vieler dieser Mood Tracker musst du in den Apps ein soziales Profil anlegen, damit du deine Leistungen teilen kannst. In den meisten Fällen ist die Privatsphäre-Einstellung des Profils auf „öffentlich“ voreingestellt. Das bedeutet, dass deine persönlichen Daten wie dein Name, dein Alter und dein Profilbild jedenfalls innerhalb der App und möglicherweise sogar bei Google auffindbar ist. Achte beim Einrichten eines Profils darauf, alle Standardeinstellungen zu überprüfen und wähle den höchstmöglichen Datenschutz.

Du siehst, derartige Gesundheits- bzw. Mood Tracker sind wirklich mit Vorsicht zu genießen. Denn wer will schon, dass Google & Co über deine Stimmung, deine Krankheiten etc. genau Bescheid weiß?


Erstellt am: 1. März 2021

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