TLS 1.3 in den USA als Pflicht? ETSI warnt vor Chaos

Die US-Cybersicherheitsbehörde NIST ist fest entschlossen, die TLS 1.3 Transportverschlüsselung als Standard in ihren Behörden festzulegen und riskiert damit laut dem Europäischen Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) schwere Gefährdungen der Sicherheit.

Bis zum Januar 2020 soll die Umstellung erfolgen

Europa richtete eine Stellungnahme an die US-amerikanische Behörde für Cyber-Sicherheit, die den TLS 1.3-Befürwortern Folgen katastrophalen Ausmaßes prophezeit. Enorme Schäden würde die Umstellung anrichten und überhaupt sei die Entscheidung rätselhaft und überraschend. Dabei hatte die Internet Engineering Task Force bei der Entwicklung der neuen Generation der Transportschichtsicherheit genau Gegenteiliges im Sinn, und zwar einen deutlichen Schritt hin zu mehr Privatsphäre und Sicherheit. Auch, wenn die Vorgängerversionen vorerst noch erlaubt bleiben sollen, gibt es an der Durchsetzung der Sicherheitstechnologie als neue Leitlinie scheinbar nichts mehr zu rütteln.

Für Europas Sicherheitsexperten ein No-Go

Eine Umstellung von TLS 1.2 auf TLS 1.3 hat direkte Auswirkungen auf die Überwachung und Kontrolle im Internet. Das betrifft die privaten Nutzer genauso wie große Unternehmen bis hin zu Banken und Behörden. Jeder, der eine Cloud nutzt, sollte wissen, dass die 1.3er-Version ein Sicherheitsfeature beinhaltet, das sich Forward Secrecy nennt. Die Intention für die Entwicklung dieser Technik war, dass ein Angreifer sich im Ernstfall nur auf die aktuelle Internet-Session Zugriff verschaffen könnte, was schlimm genug wäre. Auf die vorhergehenden Sitzungen hat er jedoch immerhin keinen Zugriff. Insgesamt ist die neue Version viel sicherer.

ServerHello und das war´s auch schon – kein Klartext mehr

Im Prinzip wurden alle Schwachpunkte der Version 1.2 behoben. Insbesondere wurde darauf geachtet, dass Forward Secrecy unterstützt wird, womit es praktisch ausgeschlossen ist, mit einem gestohlenen Schlüssel auf zuvor übertragene Daten zuzugreifen. Im Gegensatz zu früher wird ausnahmslos alles an Handshake-Nachrichten verschlüsselt. Die Höflichkeit weicht der Anonymität. Diese Tatsache ruft bei den US-Sicherheitsleuten Begeisterung hervor, denn ein Zugriff gelingt auch den gewieftesten Profis nicht mehr.

Erst DSGVO einführen und dann gemeinsam mit den Hackern über zu viel Datenschutz jammern?

Die spinnen, die Europäer. Je länger man darüber nachdenkt, desto mehr drängt sich der Gedanke auf, dass das schon ein wenig schizophren anmutet. Lass das einfach einmal kurz auf dich wirken:
Auf die erheblichen Verbesserungen der Verschlüsselungsmöglichkeiten reagieren die Kritiker aus Europa verschnupft. Sie preisen die nachweislich angreifbaren Vorgängerversionen an, die mit Brute-Force-Attacken und allerhand anderen Horrorszenarien in Verbindung gebracht wurden. Seltsam, nicht wahr? Zu den möglichen Motiven kann sich nun jeder selbst seine Verschwörungstheorie zusammenreimen. Möchte da vielleicht jemand doch ein kleines Hintertürchen offen wissen, um hier und da bei den US-Behörden…ach nein, lassen wir das einmal. Es war ja nur eine Idee, wahrscheinlich völlig abwegig.

Kann eine Verschlüsselung zu sicher sein?

Kann sie, sagt die europäische ETSI. In manchen Unternehmen, speziell Behörden und Banken, sei es verpflichtend, die eigenen Internet-Aktivitäten zu überwachen und Daten bzw. deren Übertragung aus vorangegangenen Internetsitzungen zu analysieren. So sollen Sicherheitslücken aufgedeckt werden. Dafür bräuchte es eine Opt-In-Erweiterung, die direkt in das Verschlüsselungsprotokoll integriert wird. Theoretisch könnte nun also jemand bestimmt werden, der „undercover“ die geheimen Daten mitliest. Die Amerikaner ziehen es jedoch konsequent durch und verzichten darauf, irgendwem Befugnisse dafür zu geben. So ganz scheinen sie also den Motiven der ETSI nicht zu trauen und wir sind ein wenig enttäuscht, dass der Umstieg auf TLS 1.3 hierzulande auf so wenig Gegenliebe in Expertenkreisen stößt. Das lässt tief blicken und bestätigt uns darin, weiterhin unabhängig in Sachen Datenschutz und Sicherheit im Internet aufzuklären.

 

Quelle: Heise.de; Foto: pixabay.com

Zusammenfassung
TLS 1.3 in den USA als Pflicht? ETSI warnt vor Chaos
Artikel Name
TLS 1.3 in den USA als Pflicht? ETSI warnt vor Chaos
Beschreibung
Die US-Cybersicherheitsbehörde NIST ist fest entschlossen, die TLS 1.3 Transportverschlüsselung als Standard in ihren Behörden festzulegen und riskiert damit laut dem Europäischen Institut für Telekommunikationsnormen schwere Gefährdungen auf die Sicherheit.
Author
Veröffentlicher
vpn-blog.de
Logo

Schreibe einen Kommentar

Weitere Artikel

/ / Anwendungen
In Kürze neu bei Surfshark VPN: BlindSearch™ & HackLock™

In Kürze neu bei Surfshark VPN: BlindSearch™ & HackLock™

Surfshark VPN hat in den letzten Monaten viel von sich hören lassen. 2018 erst gegründet, sorgt der supergünstige Anbieter regelmäßig für weitere Verbesserungen seiner Services. Beliebte Funktionen wie CleanWeb oder Whitelister sollen nun Zuwachs bekommen: Mit BlindSearch™ und HackLock™ erhalten die User zukünftig noch mehr für ihr Geld. Ein wenig dauert es zur Veröffentlichung zwar noch, wir haben aber direkt mit den Surfshark Machern gesprochen und einige spannende Details über die geplanten Features und ihre Vorteile herausgefunden. Und die wollen ...
Weiterlesen …
Angst, dass dein Smartphone & Co an der US-Grenze durchsucht wird? Dann beachte unsere 5 Tipps!

Angst, dass dein Smartphone & Co an der US-Grenze durchsucht wird? Dann beachte unsere 5 Tipps!

Grenzbehörden greifen immer drastischer in unsere Privatsphäre ein: Letztes Jahr führten US-Beamte über 33.000 Durchsuchungen von Geräten durch – ohne entsprechenden Durchsuchungsbefehl. Drei Jahre zuvor waren es nur 8.000. Untersuchungen zeigen, dass Beamte nahezu unbegrenzte Autorität haben, die Geräte von Reisenden an Grenzen zu durchsuchen. Die dabei gewonnenen Informationen können bis zu unglaublichen 75 Jahren gespeichert werden! Weitaus dramatischer ist aber die Tatsache, dass die Behörden deine Geräte auch nach Informationen über all jene Personen durchforsten kann, mit denen du ...
Weiterlesen …
/ / Politik, Überwachung
Du willst ein Visum für die USA? Dann musst du deine Social Media-Accounts offen legen!

Du willst ein Visum für die USA? Dann musst du deine Social Media-Accounts offen legen!

Die USA halten generell nicht viel von Privatsphäre. Schon gar nicht, wenn es um ausländische Besucher geht. So müssen alle jene, die ein Visum für die USA brauchen, ab sofort auch Auskunft zu ihren E-Mail- und Social-Media-Konten geben – verpflichtend! Sonst heißt es Draußenbleiben. Esta-Einreisen betrifft das aber nicht. Wieder einmal wird die „nationale Sicherheit“ vom US-Außenministerium für die Maßnahmen vorgeschoben, die bereits seit 2018 im Gespräch war. Diese heiligt alle Mittel – Überwachung etc. Wenn du ein US-Visum benötigst ...
Weiterlesen …
/ / Datenschutz
Klage wegen Cambridge Analytica Datenskandal: Facebook sieht keine Verletzung der Privatsphäre seiner User

Klage wegen Cambridge Analytica Datenskandal: Facebook sieht keine Verletzung der Privatsphäre seiner User

Erinnerst du dich noch an den großen Facebook Datenskandal rund um Cambridge Analytica? Dieser hat letztes Jahr für ordentlich Wirbel gesorgt. Einige User wollten sich die Datenweitergabe von Facebook nicht gefallen lassen und haben eine Sammelklage angestrengt. Klar, dass Facebook alles ganz anders sieht. Der Konzern meint doch tatsächlich, dass die Privatsphäre der Nutzer durch den Datenskandal nicht verletzt wurde … Als 2018 der Skandal rund um Cambridge Analytica und die damit verbundene unrechtmäßige Weitergabe von Nutzerdaten bekannt wurde, haben ...
Weiterlesen …
Wird geladen...