Ertappt: Auch Google hat Spionage-App durch eine Hintertür bei Apple vertrieben

Die Versuchung ist anscheinend zu groß: Nicht nur Facebook hat User für den Verkauf ihrer Daten bezahlt. Auch Google hat eine entsprechende Spionage-App namens „Screenwise Meter“ vertrieben. Auf ähnliche Art und Weise wie Facebook durch ein internes Entwickler-Zertifikat von Apple, das so nicht hätte verwendet werden dürfen.

„Screenwise Meter“ weist auffällig viele Ähnlichkeiten zu „Facebook Research“ auf. Allerdings greift die Google-App nicht ganz so viele Daten ab. Bei „Sreenwise Meter“ lädt Google User über 18 Jahre dazu ein, die App herunterzuladen. Mit einem speziellen Code und Registrierungsprozess, der ein Entwicklerzertifikat nutzt. Dies ist allerdings nur für den internen Gebrauch in Unternehmen vorgesehen. Eine Nutzung außerhalb verstößt ganz klar gegen die Richtlinien von Apple. Facebook hatte seine Spionage-App „Facebook Research“ ebenfalls auf diesem Wege vertrieben. Dem sozialen Netzwerk wurden daraufhin von Apple alle Zertifikate entzogen.

Schnelle Reaktion von Google

Der Blog TechCrunch, der auch die Geschichte rund um Facebook enthüllte, fragte bei Google nach. Das Unternehmen gab bekannt, „Screenwise Meter“ aus Apples Entwickler-Zertifikats-Programm zu entfernen und auf iOS-Geräten zu deaktivieren. Es handle sich um einen Fehler, für den Google sich entschuldige.

„Screenwise“ sammelt Daten ehrlicher als „Facebook Research“

Die App sei komplett freiwillig und sei dies auch immer gewesen. Google sei ganz offen mit den Usern gewesen und habe darauf hingewiesen, wie die App ihre Daten nutze. Google habe keinen Zugriff auf verschlüsselte Daten in Apps und Geräten. Die User können jederzeit aus dem Programm aussteigen. Außerdem verfügt die App über einen Gastmodus. So kann das Tracking zeitweise ausgeschaltet werden.

Es macht den Anschein als wäre Google im Gegensatz zu Facebook ehrlicher zu den Usern gewesen. Das soziale Netzwerk musste einiges mehr an Kritik einstecken. Zumal „Facebook Research“ ja bereits ab 13 Jahren zugänglich war.

Nutzer erhalten für ihre Daten Gutscheine

„Screenwise“ wurde 2012 gelauncht. Wenn die Nutzer die VPN-App downloaden erhalten sie Gutscheinkarten. Google selbst erhält über die App die Möglichkeit, den Traffic und die Daten des jeweiligen Users zu monitoren und zu analysieren. Nunmehr ist „Screenwise“ Bestandteil des Belohnungs-Programms „Google Opinion Rewards“. Wer daran teilnimmt, erhält für das Installieren von Trackingsystemen auf Smartphone, PC & Co Geschenke.

Privatsphäre gegen Geld

Trotzdem ist die App in Sachen Privatsphäre natürlich ein Desaster. User lassen sich durch die Aussicht auf Belohnungen dazu verleiten, viel zu viele Daten preiszugeben. Vielen ist die Tragweite dessen sicher gar nicht bewusst. Außerdem ist es traurig, auf welchen Wegen Konzerne versuchen, an die Daten der Nutzer zu kommen.

Über das Thema Privatsphäre hinaus ist aber natürlich auch die Sache mit Apple ein Thema. Google hat sich ganz bewusst über dessen Regeln hinweggesetzt. Das Unternehmen hat den App-Kunden genau erklärt, wie sie das Entwickler-Zertifikat und das VPN auf ihrem Telefon installieren. Das Zertifikat ist an sich aber nur für Testzwecke von Entwicklern vorgesehen.

Entzieht Apple auch Google seine Zertifikate?

Obwohl Apple nun schon zum zweiten Mal in ein paar Tagen von einem solchen Regelbruch betroffen ist, gib es noch kein Statement des Konzerns. Google selbst hat schnell reagiert und die App auf iOS gecancelt. So entgeht das Unternehmen vielleicht einer Strafe durch Apple, wie Facebook sie erhalten hat. Apple entzog dem sozialen Netzwerk zumindest kurzzeitig alle seine Entwickler-Zertifikate. Dies verzögert natürlich den Entwicklungsfortschritt bei Apps, die sich im Teststadium befinden.

iPhones & Co sind also für Smartmeter Geschichte. Das gilt allerdings nicht für Android-Geräte. Im Google Play Store ist die App nach wie vor erhältlich. Android hat keine Richtlinien, die den Vertrieb derartiger Marktforschungs-Apps verbieten (sofern das Einverständnis der Nutzer vorliegt).

Quelle: techcrunch.com; Foto: pixabay.com


Erstellt am: 1. Februar 2019

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