Eilmeldung: Wikipedia geht offline! Das Ende des freien Internets durch Uploadfilter?

#Saveyourinternet und #Uploadfilter: Demonstranten gehen am 23.März auf die Straße, um das freie Internet zu retten. Nun bekommen sie starke Unterstützung. Wikipedia hat die Nase gestrichen voll von der Aussicht auf Zensur und Beschneidung der Meinungsfreiheit und zieht den Stecker.

Du wirst mir fehlen. Danke, Wikipedia!

R.I.P., du warst die größte Enzyklopädie in Deutschland. Ich bin zutiefst betroffen über dein Ende und werde dich fürchterlich vermissen. Immer hast du mir dein unabhängiges Wissen zur Verfügung gestellt. Niemals hast du die Hand aufgehalten und mich nach Geld gefragt. Du hast mich gerettet, als ich in der Schule dieses Referat über Südkorea halten musste. Unzählige weitere Male habe ich nachgeschlagen und du wusstest immer eine Antwort und Rat. Und nun willst du mich einfach so verlassen?

Macht Wikipedia für immer dicht?

Entschuldige bitte, wenn wir dich erschreckt haben. Du darfst nun die Kinnlade wieder hochklappen. Es ist nur für einen Tag. Am 21. März beteiligt sich Wikipedia durch die Abschaltung der Seite an den Protesten gegen die EU-Urheberrechtsreform. Wenn du Wiki aufrust, wirst du nichts sehen, außer Informationen über Artikel 13. Eindrücklicher könnte Wikipedia uns nicht vor Augen führen, dass die geplante Reform den Tod des Internets und der Informationsfreiheit bedeuten würde. Insbesondere der besagte Artikel 13, der einen Uploadfilterzwang zur Folge hätte, wäre das absolute Aus für die meisten unserer Lieblings-Plattformen.

Wikipedias Statement ist stark

Wikipedia ist keine kommerzielle Seite, sondern das größte Lexikon der Welt, das ehrenamtlich von einer unabhängigen Community erstellt wird. Urheber und Quellen werden bereits von Anbeginn genauestens zitiert, die Texte und das Wissen gehören der Gemeinschaft. Insofern genießt Wikipedia einen Sonderstatus und könnte sich beruhigt zurücklehnen. Stattdessen wird uns un allen eine Botschaft vermittelt: Das Internet muss eine offene Plattform bleiben und darf nicht zur Kontrolle und Überwachung der Nutzer missbraucht werden. Das Internet muss frei bleiben! Hoffentlich findet diese Forderung im Europaparlament Gehör.

Was bitteschön soll an Uploadfiltern schlimm sein?

Setzen sich die Pauschalfilter durch, wirst du das Internet bald nicht mehr wiedererkennen. Alle Plattformen, auf denen du Content hochladen kannst, bekommen eine riesige Verantwortung aufgedrückt. Mit „Content“ sind einfach nur Bilder, Texte oder Videos gemeint. Bestimmt hast du irgendwo schon einmal etwas hochgeladen, zum Beispiel in einem sozialen Netzwerk. Nun stelle dir vor, dass jedes dieser Netzwerke Millionen von Nutzern überwachen muss, damit nichts auf deren Seite gelangt, was die Rechte Dritter verletzen könnte. Du liest richtig, die Plattformen MÜSSEN dich überwachen, sonst drohen ihnen saftige Strafen. Der Unterschied zu früher ist der, dass die Betreiber nicht mehr erst dann haften sollen, wenn ihnen eine Rechtsverletzung bekannt wird, sondern von dem Moment an, wenn der Upload gestartet wird.

Überwachung und Massenfilterung aus Selbstschutz

Die Überschrift besagt schon, was die Konsequenz aus der Artikel-13-Idee ist. Was bleibt den Seitenbetreibern übrig, als präventiv zu blocken, was das Zeug hält? Es gäbe als Alternative nur noch eine einzige Chance, nämlich, dass sie sich vorsichtshalber Lizenzen für alle (wirklich ausnahmslos alle!) Inhalte beschaffen, die theoretisch auf ihren Internetseiten erscheinen könnten. Das klingt wie ein schlechter Scherz, ist aber von den Befürwortern des Gesetzes völlig ernst gemeint. Folglich bleibt nur die erste Variante, also das exzessive Filtern.
Ob da noch ein Start-Up-Unternehmen Lust und die Chance haben wird, mit wenig Geld und viel Ambitionen in den virtuellen Wettbewerb einzusteigen?

Ist Filtern wirklich so schlimm?

Ja, der Zwang zum Filtern bereits beim Upload ist schlimm. Ein Filter ist immerhin eine Maschine und kein logisch denkender Mensch. Deshalb blockiert er erbarmungslos alles, was auch nur im Entferntesten nach einem Verstoß gegen vorher programmierte Richtlinien aussieht. Videos, die im Hintergrund auch nur einen Hauch einer Melodie erkennen lassen, die einem urheberrechtlich geschützten Song entstammen könnte, werden einfach erst einmal gebannt. Von Facebook und YouTube kennt man das Problem schon, dass wegen eines Filters zu Unrecht ein harmloses Video gelöscht und der Nutzer gleich gesperrt wird. Die beiden Plattformen können sich die Filtertechnik mit Kosten in Millionenhöhe übrigens leisten – Die kleineren Konkurrenten nicht.

Du bist manchmal im Internet? Dann geht es dich auch etwas an

Während deine Freunde vielleicht noch die Augen vor der Realität verschließen und Gronkh, PewDiePie den Drachenlord & Co auf Youtube verfolgen, Fotos auf Facebook hochladen und über Memes lachen, wird es wirklich ernst. Wenn jetzt nicht die Notbremse gezogen wird, können YouTube-Stars praktisch schon einpacken und sich für das Jahr 2021 um stinknormale Jobs bewerben, während die ganz Großen die Alleinherrschaft über das World Wide Web übernehmen. Die Mächtigen werden nämlich wenig Interesse daran haben, für Urheberrechtsverletzungen der „Kleinen“ zu bluten und sie einfach blocken. Damit hat sich der Traum eines jeden Internetsternchens schon fast erledigt – Einmal so richtig viral zu gehen.

Jetzt schlägt es wirklich bald 13

Traurig: Deutschland war eines der 21 Länder, die allen Plattformen an die Gurgel wollen und für den Artikel 13 gestimmt haben. Katarina Barley, die Bundesjustizministerin, muss an dieser Stelle hervorgehoben werden. Sie hat immerhin hinterher geäußert, dass sie die Idee nicht gut findet und möchte, dass Artikel 13 aus der Urheberrechtslinie gestrichen wird. Naja, wer´s glaubt? Zum Zeitpunkt dieser Äußerung waren längst Proteste im Gange und der Zorn der Bevölkerung kochte hoch. Die Hoffnung stirbt zuletzt, denn noch kann der Entwurf tatsächlich entschärft und ohne den unsäglichen 13er zum nationalen Recht werden.

Was du jetzt tun kannst

Am 26. März soll die finale Abstimmung im EU-Parlament erfolgen. Am 23. März finden in zahlreichen Städten Demos statt, denen du dich anschließen kannst. Es ist ein Samstag, vielleicht hast du frei. Tausende werden ein letztes Mal demonstrieren, um die meinungsmörderischen Uploadfilter in letzter Sekunde zu stoppen. Möchtest du eines Tages bei Wikipedia einen Artikel lesen, der den 26.03.2019 als Tag der Online-Apokalypse beschreibt? Nein? Dann sehen wir uns vielleicht bei der Demo!

Foto: pixabay.com


Erstellt am:20. März 2019

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