Clearview Gesichtserkennung: 3 Mrd. Fotos – Ende unserer Privatsphäre?

Clearview Gesichtserkennung mit beängstigenden Ausmaßen: Mehr als 3 Milliarden Fotos von Menschen auf der ganzen Welt. Die hat das Start-up Unternehmen Clearview im Internet gesammelt. Und verfügt damit über eine monströse Datenbank zur Gesichtserkennung in noch nie dagewesenem Ausmaß. Das „Ende der Privatsphäre, wie wir sie kennen“ – so die New York Times, welche die Machenschaften von Clearview aufgedeckt hat.

Bisher ist Clearview kaum in Erscheinung getreten und agierte im Untergrund. Jetzt aber hat die New York Times die Machenschaften des Unternehmens genauer unter die Lupe genommen. Und dabei gezeigt, wie gefährlich das einst geheime Start-up unserer Privatsphäre werden könnte. Denn Clearview hat über 3 Milliarden Fotos aus dem Internet abgesaugt. Frei zugängliche, wie auf YouTube, Facebook etc. Aber auch Mitarbeiter-Fotos von Unternehmenswebseiten sind unter anderem dabei.

Über 600 Behörden sind Clearview Kunden

Diese riesige Datenbank wurde natürlich nicht nur zum Selbstzweck angelegt. Clearview bedient damit Kunden. Laut eigenen Angaben zählen über 600 Behörden zum Kundenstamm. Laut NYT sollen aber auch private Unternehmen die Dienste von Clearview schätzen. Welche Kunden es genau sind, ist noch nicht offiziell. Starthilfe gab Peter Thiel, seines Zeichens einer der PayPal-Gründer, Milliardär und leider auch Trump-Unterstützer. Er investierte Geld in Clearview – was nicht eben beruhigend ist.

Was kann die Clearview Gesichtserkennung?

Salopp gesagt soll die Clearview Gesichtserkennungs-App die Identifikation jedes Menschen im Internet ermöglichen – eben aufgrund der Unzahl an Fotos in ihrer Datenbank. Foto hochladen und die App liefert ähnliche Fotos und den Link, wo sich diese befinden, gleich dazu. Kein Wunder, bei einer Auswahl von über 3 Milliarden Fotos. So ist dem System angeblich gelungen, anhand eines Fotos aus einer Überwachungskamera eine Diebin zu identifizieren – via deren Facebookseite und eine markanten Tattoos der Frau … Clearview prahlt damit, eine größere Datenbank zu haben, als das FBI. Und außerdem treffsicherer zu sein als Google: Bei einem Test von Gesichtserkennungssystemen durch Megaface erreichte die Clearview Gesichtserkennung tatsächlich eine Trefferquote von über 98 Prozent.

Gruseliges System

Einen Verbrecher zu identifizieren mag eine gute Sache sein. Aber das System kann natürlich für alles Mögliche genutzt werden. So bat die NYT-Journalisten eine Behörde, ihr eigenes Foto durch die App laufen zu lassen. Woraufhin sich Clearview meldete und hinterfragte, ob die Behörde mit Medien sprechen. Das heißt, Clearview prüft anscheinend, welche Personen die Ermittler suchen – was das Unternehmen allerdings leugnet. Gruselig, oder?

Auf der Straße jeden Menschen identifizieren …

Man stelle sich vor, die App wäre öffentlich nutzbar. Dann könntest du auf der Straße jeden Fremden identifizieren und natürlich auch umgekehrt. Zumal Clearview auch eine Computerbrille entwickelt haben soll, die eben identifiziert und auch gleich weitere Daten zur Person mitliefert. Science Fiction wird Realität … Denn mit solchen Möglichkeiten sind Anonymität und Privatsphäre Geschichte.

Gesichtserkennung immer mehr am Vormarsch

Auch Facebook oder Google verfügen natürlich über solche Foto-Datenbanken wie die Clearview Gesichtserkennung sie hat. So geschäftstüchtig die Konzerne auch sind, nutzen sie diese Datenbanken aber (noch) nicht als Geschäftsmodell. So sagte Google-Boss Eric Schmidt 2011, dass er „sehr besorgt über die Möglichkeiten“ von Gesichtserkennung sei, da sie auch für „sehr schlechte Zwecke“ ihren Einsatz findet. Trotz der großen Bedenken und Risiken ist Gesichtserkennung immer mehr am Vormarsch. Auch in Deutschland, wo öffentliche Plätze stärker in diesem Sinne überwacht werden sollen. Oder auch in England, wo Demonstrationen überwacht und Demonstranten identifiziert werden …

Was kannst du dagegen tun?

Alles, was du im Internet veröffentlichst, ist ganz sicher schon in derartigen Datenbanken erfasst. Du weißt es nur nicht. Viel tun kannst du dagegen leider nicht. Damit deine Daten nicht analysiert werden, darf es keine Daten geben. Das heißt, du musst beim Veröffentlichen extrem aufpassen. Twitter und Facebook verbieten die Verwendung von User-Fotos für Gesichtserkennung ausdrücklich. Aber Clearview scheint das nicht besonders zu interessieren. Gesetze können also auch nur bedingt helfen, das Sammeln von Fotos für Gesichtserkennung zu verhindern.


Erstellt am: 4. Februar 2020

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