Provider übertreiben es mit „freiwilliger Vorratsdatenspeicherung“: Daten bis zu 6 Monate aufbewahrt!

Was vorgegeben ist und was in Wirklichkeit abläuft, ist oft nicht dasselbe: So auch bei der Speicherung deiner Daten durch deinen Provider. Eigentlich wird diesen nahegelegt, IP-Adressen & Co binnen sieben Tagen zu löschen. Tatsächlich halten sich viele nicht an diese Regelung und speichern die Daten bis zu 6 Monate lang. Diese weit überzogen interpretierte „freiwillige Vorratsdatenspeicherung‘“ wurde nun zur Anzeige gebracht.

Bereits 2012 haben die Bundesnetzagentur und die Bundesdatenschutzbehörde gemeinsam mit der Wirtschaft einen Leitfaden erarbeitet, der eine Löschung von nicht erforderlichen Kundendaten nach spätestens 7 Tagen durch die Provider vorsieht. Nach so einer langen Zeit zum „Eingewöhnen“ sollte man meinen, dass sich alle Beteiligten entsprechend an die Regel halten. Dem ist aber keineswegs so, wie eine Erhebung der Bundesnetzagentur aufgrund von Verfassungsbeschwerden nun ergeben hat. Der Schutz unserer Daten ist an manchen Providern also anscheinend vorbeigezogen …

Rufnummern u. a. werden am längsten gespeichert

Am längsten werden demnach Rufnummern inklusive Uhrzeit und Datum von Anrufen sowie die Identifikationsnummer der Teilnehmer von den Telekommunikationsunternehmen gespeichert. Nämlich bis zu 6 Monate lang! IP-Adressen werden bis zu 3 Monate lang aufbewahrt, die IMEI bis zu 4 Monate. Diese Zahlen wurden diese Woche von einem der Kläger veröffentlicht, dem Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung.

„… kann Unschuldige in Verdacht bringen“

Der Arbeitskreis sieht in dieser Handlungsweise der Provider ein großes Risiko: „Dass Mobilfunkanbieter bei jeder Verbindung den Aufenthaltsort festhalten, ermöglicht Behörden massenhafte Funkzellenabfragen und kann Unschuldige in Verdacht bringen,“ sagt Uli Breuer. Begehrt seien die Daten natürlich auch bei der Strafverfolgung und nicht zuletzt tun sich hinterhältigen Anwälten ganz neue Möglichkeiten auf, um mit meist nicht gerechtfertigten Abmahnungen für angebliche Urheberrechtsverletzungen harmlose Verbraucher abzukassieren. Praktisch für alle Beteiligten – nur die Konsumenten und ihre Privatsphäre sind wieder die Dummen.

Auch Pirat Patrick Breyer ist über diese weit übers Ziel hinausschießende „freiwillige Vorratsdatenspeicherung“ erzürnt und sieht sie als „illegal und ordnungswidrig“ an. Er hat eine Anzeige gegen die Provider eingebracht und fordert Geldstrafen für diese.

Quelle: heise.de; Foto: pixbay.com


Erstellt am: 7. Januar 2019

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