Windows 10 sammelt deine Daten per Telemetrie – Forscher wollen Überwachung stoppen

Telemetrie ist eine Technik, bei der während der Datenübertragung im Betriebssystem deines Computers Messpunkte eingerichtet werden. An diesen Punkten werden deine Übertragungsdaten gesammelt und an den Server von Microsoft geliefert. Aber welche Daten und wozu? Das möchte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik nun aufdecken.

Telemetrie ruft Sicherheitsforscher auf den Plan

Windwows 10 ist dafür bekannt, ein ambitionierter Sammler zu sein. Die Begründung, das sei alles nur zur Analyse von Fehlerquellen notwendig, scheint ein wenig schwammig. Das BSI forscht gemeinsam mit dem Sicherheitsunternehmen ERNW mittlerweile seit 2 Jahren daran. Du darfst also getrost davon ausgehen, dass ein gesundes Misstrauen in Sachen Datenschutz angebracht ist. Ginge es nur um ein paar langweilige Absturzberichte, wären die Sicherheitsforscher Dominik Phillips, Aleksandar Milenkoski und Maximilian Winkler wahrscheinlich längst fertig mit ihrer Arbeit und würden ihren wohlverdienten Urlaub genießen. Stattdessen präsentierten sie auf der Troopers Sicherheitskonferenz Zwischenergebnisse und werden sich voraussichtlich auch in den kommenden Jahren nicht über einen Mangel an Arbeit beklagen können.

Sisyphus heißt das Projekt

Der Projektname scheint passend für die Erforschung des komplexen Überwachungsnetzes, das es aufzudröseln gilt. Den Sammeltick lebt Windows 10 auf zweierlei Weise aus, und zwar in Form einer primären und einer sekundären Datensammlung. Die primäre Sammlung ist eigentlich ganz nett und nützlich. Die Windows-Programme und -Dienste verfügen über eine integrierte Fehlersuche und leiten automatisch ihre Messergebnisse mittels Event Tracing an den Server. Wenn du nun glaubst, das wären vielleicht so zwei, drei Messpunkte, dann hast du dich leicht verschätzt: Es handelt sich um 1000 Sammelstellen pro Dienst oder Programm!

Primär, sekundär, Überwachung ist nicht schwer

Im Klartext gibt es allein bei der primären Datensammlerei nicht nur 1000 angreifbare Stellen, die interessant für Hacker sind, sondern auch 1000 gute Gründe, misstrauisch zu werden. Die Forscher nehmen übrigens konkret die Windows 10 Version 1607 LTBS unter die Lupe, da diese Version erstens gern in Unternehmen eingesetzt und zweitens immerhin nicht alle Naselang geändert wird. Die sekundäre Datenerfassung erscheint noch viel gefährlicher, denn hierbei gibt es offiziell noch nicht einmal den Hauch einer Idee, der die Datenklauberei rechtfertigt. Neben den Daten, die sich Windows 10 primär einkrallt, fragt es nach Gutdünken „weitere Informationen“ ab. Wann, wie oft und warum das der Fall ist, muss mühselig durch die Forscher herausgefunden werden, denn die Windows-Entwickler rücken recht ungern Fakten heraus.

Was Windows 10 kann, können die Forscher schon lange

Oder zumindest hoffentlich bald. Der Plan lautet, ebenfalls Telemetrie einzusetzen und ein Tool zu entwickeln, mit dem du dich über die gesammelten Daten informieren kannst. Tatsächlich sollst du damit die Überwachung überwachen können. Mit dem Creators Update wollte dir Microsoft zwar schon im Jahre 2017 die Illusion von Transparenz und Kontrolle geben, aber du bist nicht allein, wenn dich das irgendwie nur wenig beruhigt. Immerhin war mit Erscheinen von Windows 10 von Spionageverdacht die Rede und die Datenschutzerklärung wirkte wie ein schlechter Witz. Kontaktdaten wurden genauso ausgespäht wie Kommunikationsinhalte, und das ganz offiziell! Gänzlich ausschalten lässt sich die Sammelfunktion leider auch nicht. Da kann man wirklich nur unsere Forscher anfeuern, weiter ihrer anstrengenden Sisyphus-Arbeit nachzugehen. Bitte, findet auch die Austaste!

 

Quelle: Golem.de; Foto: pixabay.com


Erstellt am:1. April 2019

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